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Von Leistungssportlern lernen

13.07.2018 von CA Redaktion | Information Management

Jennifer Wendland ist Apnoe-Taucherin. Sie gehört zu den besten Apnoe-Taucherinnen der Welt und hat bei Weltmeisterschaften bereits 1x die Silbermedaille und 2x die Bronzemedaille gewonnen, zuletzt die Bronzemedaille bei der WM 2017 im Tieftauchen ohne Flossen. Sie ist Halterin aller deutschen Rekorde im Tieftauchen. Gleichzeitig arbeitete sie als Controllerin.

Als Referentin auf der Fachtagung Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics wird sie mit dem Thema „Freitauchen als Leistungssport: Wie ich durch Arbeiten mit Emotionen tiefer tauche“ über ihre Erfahrungen berichten. Nachfolgend ein erster Einblick:

Jennifer Wendland, Apnoe-Taucherin

CA: Gibt es auf den ersten Blick überhaupt Gemeinsamkeiten zwischen beiden Tätigkeiten?

Jennifer Wendland: Auf alle Fälle, zum Beispiel das Risikomanagement. Ich möchte das Risiko bei meinen Tauchgängen minimieren und für den Notfall immer eine Handlungsalternative parat haben. Außerdem basiert meine Trainingssteuerung auf KPIs. Bei mir sind es beispielsweise Geschwindigkeit, Effizienz, Stresslevel, Laktattoleranz. Die reine Tiefe oder Zeit sind dagegen für das Training nicht relevant, denn am Ende zählt die wiederholbare Qualität meiner Leistung, nicht eine zufällig mit viel Glück erreichte Tiefe.

 

CA: Ist Trainingserfolg „nur“ das Ergebnis physischer Vorbereitung und das Trainieren und Verbessern gewohnter Abläufe?

JW: Viele sehen in Freitauchern waghalsige Extremsportler mit übermenschlichen Fähigkeiten. Letztlich ist jedoch alles nur Physik, Physiologie und Psychologie. Die meisten Freitaucher in der Weltspitze trainieren, wie in anderen Leistungssportarten auch, sehr kontrolliert und nach wissenschaftlichen Methoden. Da der Sport aber noch recht jung und jeder Athlet anders ist, muss man selbst viel experimentieren. Jeder meiner Tauchgänge wird daher präzise geplant und ausgewertet, auch im Hinblick auf den gefühlten Stress. Die Automatisierung wiederkehrender Abläufe nutze ich, um den Kopf frei zu haben für Improvisationen. Freitauchen ist ein Outdoor-Sport und nicht alles ist berechenbar. Somit ist die Fähigkeit zur Improvisation für mich eng mit dem Thema Risikomanagement verbunden.

 

CA: Das bedeutet, dass Sie gegebenenfalls auch Gewohnheiten umstellen und sich auch neue „Fähigkeiten“ aneignen müssen?

JW: Ständig. Jeder Fortschritt ist für mich mit der Verbesserung einer existierenden oder dem Erlernen einer neuen Fähigkeit verbunden. Wichtig ist aber, diese neuen Fähigkeiten immer innerhalb der Komfortzone zu erarbeiten, denn sonst wird das mental ohnehin fordernde Apnoetauchen schnell mit großem Stress verbunden. Ich habe schon mehrfach beobachtet, dass sich Athleten durch ständiges Überschreiten ihrer Grenzen und durch falschen Ehrgeiz in einen Trainingsburnout hineintrainiert haben. Das versuchen mein Trainer und ich mit dieser Methode zu vermeiden. Sobald ich eine neue Technik in geringer Tiefe anwenden kann, erweitert sich für mich automatisch die Komfortzone für tiefere Tauchgänge. Ich verlasse meine Komfortzone niemals bewusst, besonders nicht im Wettkampf.

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