Die Finanzberichterstattung wird digital – Erstmalige Anwendung des elektronischen Berichtsformats ESEF in 2020

08.06.2021 von CA Redaktion | Accounting & Finance
Die Finanzberichterstattung wird digital – Erstmalige Anwendung des elektronischen Berichtsformats ESEF in 2020

Die Finanzberichterstattung wird digital. Die Finanzberichterstattung zum Geschäftsjahr 2020 hält einige Besonderheiten bereit. Diese beschränken sich nicht nur auf die vielen Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Erstmals müssen börsennotierte Unternehmen ihre Zahlenwerke auch im neuen elektronischen Berichtsformat ESEF präsentieren. Dies stellt die Unternehmenspraxis vor einige Herausforderungen.

Was bedeutet ESEF?

ESEF steht für European Single Electronic Format, d.h. es handelt sich um ein europaweit einheitliches elektronisches Berichtsformat für die berichteten Unternehmensdaten. Das Berichtsformat basiert auf der verbreiteten Auszeichnungssprache HTML. Es gilt für börsennotierte Unternehmen innerhalb der Europäischen Union und ist für ab dem 01. Januar 2020 beginnende Geschäftsjahre anzuwenden. Elektronisch veröffentlicht wird neben den Jahres- bzw. Konzernabschlüssen auch der (Konzern-)Lagebericht.

iXBRL-Tagging im Zentrum von ESEF

Damit die elektronischen Finanzberichte nicht nur vom Menschen, sondern auch von Maschinen automatisch gelesen und verarbeitet werden können, werden die Konzernabschlüsse nach IFRS zudem mittels der sog. iXBRL-Technologie ausgezeichnet. Das bedeutet, dass die einzelnen Zahlenwerte einen sog. „Tag“ zugewiesen bekommen und somit über eine eindeutige ID von Maschinen angesprochen werden können. Einzelne Werte lassen sich damit direkt auslesen und beispielsweise in  Datenbanken integrieren. Das Tagging mittels iXBRL erfolgt zunächst allerdings – abgesehen von einigen wenigen weiteren Angaben – nur für die primären Abschlussbestandteile Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Gesamtergebnisrechnung, Kapitalflussrechnung und Eigenkapitalveränderungsrechnung. Für ab dem 01. Januar 2022 beginnende Geschäftsjahre werden auch die weiteren Anhangangaben dem „Tagging“ unterzogen.

Herausforderungen für die Praxis

Die digitale Berichterstattung ist zunächst vor allem eine technische Herausforderung für die betroffenen Unternehmen. Zur Erfüllung der neuen Anforderungen ist eine entsprechende Software-Lösung auszuwählen und zu implementieren. Aus fachlicher Perspektive liegt die Herausforderung vor allem im beschriebenen „Tagging“-Prozess. Entsprechend der ESEF-Taxonomie gibt es eine Vielzahl möglicher „Tags“, aus denen die Unternehmen die passenden Varianten heraussuchen müssen. Zudem gibt es die Möglichkeit, sog. „Extensions“ vorzunehmen, d.h. die IFRS-Taxonomie zu erweitern, sofern aus der vorgegebenen Liste kein passendes Element zu finden ist.

ESEF ergänzt die bestehenden Vorschriften zur Rechnungslegung um eine erweiterte elektronische Offenlegung. Um bei den aktuellen Entwicklungen rund um die internationale Rechnungslegung immer am Ball zu bleiben, empfehlen wir das Seminar „IFRS – aktuelle Entwicklungen und Praxisfragen“. Um die richtigen Zahlenwerte elektronisch offenlegen zu können, sind darüber hinaus tiefgreifende Kenntnisse der zugrunde liegenden Bilanzierungs- und Angabevorschriften zur Jahres- und Konzernabschlusserstellung erforderlich. Diese Thematik finden Sie auch in unseren Seminaren Konzernrechnungslegung nach HGB und IFRS, Certified IFRS Specialist CA (CISCA) und Rechnungslegung für Controller wieder.

 

Autoren: Dipl.-Bw. (FH), CPA, WP Thomas Rattler, Wirtschaftsprüfer und U.S. Certified Public Accountant, Partner bei Rödl & Partner im Bereich Capital Markets & Accounting Advisory Services und verantwortlicher Abschlussprüfer für kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie beratend zu Themen der nationalen und internationalen Rechnungslegung.

Dr. David Shirkhani, M.Sc., Referent bei Rödl & Partner im Bereich Capital Markets & Accounting Advisory Services, zu Themen der nationalen und internationalen Rechnungslegung sowie in der Abschlussprüfung und Grundsatzarbeit.

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