Was verstehen wir in der CA controller akademie unter Coaching?

19.06.2020 von CA Redaktion | Soziale Kompetenzen
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Coaching im weiteren Sinne

Manche sprechen hier gerne auch von Business Coaching. So will z.B. der Corporate Controller mit seinem Management-Team einen Business Plan aufstellen. Der Coach begleitet diesen Prozess nicht vor Ort als Berater, sondern gibt dem Verantwortlichen Tipps auf der Inhaltsebene. Wie sieht eine gute Konzeption aus? Welche Fallstricke sollte er beachten? Wie baut man eine funktionierende Mehrjahresplanung auf?

Ein anderer typischer Fall kommt auch häufiger vor. Ich erkläre einer Führungskraft ohne betriebswirtschaftlichen Hintergrund auf konkrete Anfrage wichtige betriebswirtschaftliche Sachverhalte. Wozu dient eine Bilanz? Wie kann man die Bilanz des eigenen Unternehmens interpretieren? Was versteht man unter einem Shareholder Value? Wie kann man den berechnen? Hier kam es schon öfters vor, dass sich die betreffende Person einem betriebswirtschaftlichen Crashkurs unterziehen „muss“ oder besser „darf“, weil sie als „Non-Financial“ erstmalig eine ergebnisverantwortliche Führungsposition übernimmt. Hier ist mein Wissen als Coach im Kerngebiet des Controllings und der Unternehmenssteuerung gefragt.

Coaching im engeren Sinne

Die zu coachende Person (Coachee) wendet sich in einer sehr persönlichen Fragestellung einem Coach zu. Auch diese Gespräche finden immer unter absoluter Vertraulichkeit statt. Der Coachee kommt häufig mit einem „Problem“ oder „Anliegen“. Dies kann zum Beispiel eine als belastend empfundene Führungsbeziehung sein. Ein „Problem“ kann man wie eine Art mentale „Soll-Ist-Abweichung“ beschreiben. Der Coachee erlebt eine schmerzhafte Diskrepanz zwischen gewünschtem Erleben/Verhalten und tatsächlichem Erleben/Verhalten. Ein guter Coach verfügt über eine entsprechende psychologisch fundierte Toolbox, um das „Problem“ mit dem Coachee zu bearbeiten.

Wir beiden Coaches in der CA, Detlev Zillmer und Martin Hauser, verstehen uns als systemische Coaches mit einer entsprechenden, umfassenden Ausbildung. Der systemische Ansatz rückt das Beziehungssystem des Coachee innerhalb seines/ihres spezifischen Kontextes in den Mittelpunkt. Hierbei geht es um Beziehungen zu anderen Personen und zu sich selbst. Das Ziel besteht darin, Schritt für Schritt den Coachee in ein Lösungserleben mit größtmöglicher Handlungskompetenz und Selbstwirksamkeit zu begleiten. Die systemische Sicht geht davon aus, dass jede Lösung des Problems im System selbst verborgen ist (Potenzialhypothese). Es geht letztlich darum, die Muster des Gelingens aus der Vergangenheit wieder zu aktivieren.

Leider gibt es immer noch zahlreiche Missverständnisse über den Inhalt und die Bedeutung psychologisch orientierten Coachings. Der schlimmste Irrglaube besteht darin, dass jemand der gecoached wird, „es ja nötig haben müsse“. Hier wird eine Schwäche oder ein Defizit insinuiert. Die betreffende Person geht zu einem „Seelendoktor“ für Führungskräfte. Der Autor ist manchmal versucht, eine solche Reaktion als geradezu dümmlich zu bezeichnen. Wir trainieren (hoffentlich und regelmäßig) unseren Geist. Wir trainieren unseren Körper. Warum dürfen wir nicht unsere Seele mit Hilfe eines Profis trainieren? Es offenbart sich ein gesellschaftliches Tabu mit verheerenden Wirkungen: Über die Psyche spricht man nicht!

 

Autor: Prof. Dr. Martin Hauser, Partner und ehem. Vorstand der CA Akademie AG

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