Wie aus gutem Controlling exzellentes Controlling wird

06.08.2026 von CA Redaktion | Controlling
Person vor abstrakten 3D-Blöcken mit den Begriffen Strategie, Forecasts, Data und Transparenz.

Auf einen Blick: Vier Bausteine für Controlling Excellence

  1. Eine Strategie entfaltet ihren Nutzen erst, wenn sie für alle Führungskräfte verständlich und operationalisiert ist.
  2. Eine saubere Datenbasis ist die Voraussetzung für Business Intelligence, Forecasting und Künstliche Intelligenz.
  3. Bandbreitenplanung und Forecasts helfen dabei, unter Unsicherheit fundierter zu entscheiden.
  4. Controlling schafft Transparenz und begleitet Veränderungen gemeinsam mit den Fachbereichen.

Was unterscheidet gutes von exzellentem Controlling? Dieser Frage widmete sich unsere CA iTalk live Sendung vom 3. Juli. Dr. Peter Müller-Pellet (Co-CEO der Börlind GmbH) und Carsten Thürnau (Leiter Controlling der Bremer Stadtreinigung) zeigten anhand ihrer Praxisbeispiele, wie Controlling Excellence im Mittelstand gelingt. Zwei Unternehmen, zwei Branchen und überraschend viele Gemeinsamkeiten.

Strategie muss im Alltag ankommen

Bei Börlind begann die Weiterentwicklung mit einer grundlegenden Veränderung der Unternehmenssteuerung. Die langfristige Strategie wurde in eine Strategy Map überführt, die heute als gemeinsames Kommunikationsinstrument dient. Sie macht die strategische Ausrichtung für alle Führungskräfte nachvollziehbar und zeigt, welchen Beitrag jede Abteilung zur Zielerreichung leistet.

Auf dieser Grundlage entwickeln die Abteilungen ihre Strategien weiter und leiten daraus Ziele und Schwerpunkte für das Folgejahr ab. Statt detaillierter Planung bis auf einzelne Kostenpositionen konzentriert sich die Planung heute stärker auf Projekte, größere Kostenträger und die strategischen Prioritäten des Unternehmens. Das reduziert die Detailtiefe der Planung und gibt den Fachbereichen mehr Spielraum bei der Umsetzung.

Auch bei der Bremer Stadtreinigung steht die konsequente Übersetzung der Strategie in den operativen Alltag im Mittelpunkt. Werttreiber werden bis auf die Prozessebene heruntergebrochen, sodass Fachbereiche nachvollziehen können, welche Auswirkungen ihre Entscheidungen auf Werttreiber, Ressourcen und damit auf den Unternehmenserfolg haben. Nach Aussage von Carsten Thürnau erleichtert dieses Verständnis die Einführung neuer Steuerungsansätze und stärkt die Zusammenarbeit zwischen Controlling und Fachbereichen.

Bessere Entscheidungen beginnen mit besseren Daten

Eine Aussage zieht sich wie ein roter Faden durch beide Praxisbeispiele: Ohne eine saubere Datenbasis funktionieren weder moderne Steuerungssysteme noch der effiziente Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Börlind investierte früh in Business Intelligence, ein Data Warehouse und eine unternehmensweite Datentransparenz. Heute greifen Führungskräfte und Vertriebsverantwortliche auf dieselbe Datenbasis zu. Für Peter Müller-Pellet ist diese Datengrundlage die Voraussetzung für datenbasierte Entscheidungen sowie für den Einsatz von KI.

Auch die Bremer Stadtreinigung verfolgt diesen Weg. Mit SAP Datasphere und SAP Analytics Cloud werden Planung, Forecast und Reporting schrittweise auf einer gemeinsamen Datenbasis zusammengeführt. Ziel ist eine verlässliche Datenbasis, auf die sich alle Fachbereiche stützen können.

Beide Gesprächspartner betonen übereinstimmend: KI kann ihre Stärken nur auf einer sauberen Datenbasis ausspielen. Schlechte Daten führen auch mit KI nicht zu besseren Ergebnissen.

Unsicherheit aktiv steuern, statt präzise planen

Ein besonders interessanter Ansatz kommt von Börlind: Statt auf eine klassische Einwertplanung setzt das Unternehmen auf Bandbreitenplanung, mehrere Forecasts und Simulationen.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht die möglichst exakte Vorhersage eines einzelnen Planwertes. Entscheidend ist vielmehr, verschiedene Entwicklungen frühzeitig sichtbar zu machen, um deren Auswirkungen auf Projekte und Budgets bewerten zu können.

Nach Aussage von Peter Müller-Pellet bedeutet dieser Ansatz für die Fachbereiche nur einen geringen zusätzlichen Aufwand. Das Controlling übernimmt die Modellierung der Bandbreiten und schafft damit eine belastbarere Grundlage für Entscheidungen unter Unsicherheit.

Controlling wird zum Treiber der Veränderung

Beide Praxisbeispiele zeigen ein Controlling, das deutlich über den Service in Form von klassischem Reporting hinausgeht. Controllerinnen und Controller schaffen Transparenz, unterstützen Führungskräfte bei der Steuerung und begleiten Veränderungen gemeinsam mit den Fachbereichen.

Dabei spielt der Mensch eine zentrale Rolle. Neue Steuerungsansätze werden schrittweise eingeführt, Führungskräfte frühzeitig eingebunden und die Auswirkungen neuer Methoden verständlich erklärt. Sowohl Peter Müller-Pellet als auch Carsten Thürnau betonen, dass Veränderungen nur dann nachhaltig wirken, wenn die Mitarbeitenden den Nutzen verstehen und die Unternehmensführung den eingeschlagenen Weg konsequent unterstützt.

4 Handlungsempfehlungen für mittelständische Unternehmen

  1. Schaffen Sie zunächst eine belastbare Datenbasis, bevor Sie BI- oder KI-Lösungen einführen.
  2. Übersetzen Sie Ihre Unternehmensstrategie in konkrete Ziele und Werttreiber für die Fachbereiche.
  3. Ergänzen Sie die klassische Jahresplanung durch Forecasts und eine flexiblere Steuerung.
  4. Führen Sie Veränderungen schrittweise ein und erklären Sie den Mitarbeitenden die Wirkung neuer Methoden.

Fazit

Diese beiden Erfolgsgeschichten zeigen: Controlling Excellence entsteht nicht durch immer komplexere Instrumente, sondern durch ein Steuerungssystem, das Strategie, Daten und operative Entscheidungen konsequent miteinander verbindet.

Gerade mittelständische Unternehmen verfügen häufig über kurze Entscheidungswege. Beide Praxisbeispiele zeigen, dass diese Stärke besonders dann wirksam wird, wenn Führungskräfte eingebunden werden, Entscheidungen auf einer gemeinsamen Datenbasis getroffen werden und das Controlling die Unternehmenssteuerung aktiv unterstützt.

Portrait Mareile Katzmeier

Autorin

Mareile Katzmeier
CA Redaktion

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