Finance Transformation – droht das operativ Dringliche das strategisch Wichtige zu verdrängen?

19.04.2022 von CA Redaktion | Accounting & Finance

Zwischen neuen Herausforderungen und knappen Ressourcen – bleibt da noch Zeit für eine Finance Transformation oder gilt „jetzt erst recht“?

Die Welt befindet sich im Ausnahmezustand. In den vergangenen zwei Jahren haben Themen wie der Brexit, Corona und die Schiffshavarie im Suez-Kanal unser Leben stark beeinflusst. Wir spüren die Folgen und neue Ereignisse wie der Krieg gegen die Ukraine erschüttern uns alle.

Innerhalb der Unternehmen sind die Unsicherheiten ebenfalls groß, denn nicht nur die Lieferketten sind stark belastet. Neben den erwarteten Auswirkungen kamen zugleich nicht vorhergesehene Folgeeffekte zum Tragen. Der Begriff „VUCA-Welt“ (Volatility Uncertainty Complexity Ambiguity) ist inzwischen jedem geläufig und gilt schon fast als „new normal“. Dies macht deutlich, dass uns extreme Preisschwankungen, Knappheit und Lieferengpässe voraussichtlich noch einige Zeit begleiten werden.

Die Belastungen für die Finanzabteilungen nehmen immer stärker zu

Das Management benötigt zusätzliche Informationen, um schnell und flexibel Entscheidungen treffen zu können. Hinzu kommen nicht aufschiebbare Anforderungen wie die Ablösung veralteter ERP-Systeme und steigende gesetzliche Anforderungen, die sowohl kleine als auch große Unternehmen betreffen. So ist beispielsweise das neue CSRD-Reporting (Corporate Sustainability Reporting Directive) bereits für kleinere Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden und 40 Mio. Umsatzerlösen relevant. Der Mehraufwand nimmt exponentiell zu, da nicht nur Berichte verändert werden, sondern vorab eine Datengrundlage geschaffen werden muss. Zusätzlich zu den neuen, meist zeitkritischen Anforderungen kommen die begrenzten Ressourcen. Schon vor den Krisen waren die Ressourcen im Finanzbereich am Limit und die Atempausen zwischen den erzwungenen Sprints werden stets kürzer. Wo bleibt da noch Zeit für wichtige Themen wie z.B. die Digitalisierung?

Droht das operativ Dringliche das strategisch Wichtige zu verdrängen?

Gerade die Pandemie hat deutlich gemacht, wie wichtig Digitalisierung ist und welche Chancen sie mit sich bringt. Es zeigt sich immer mehr: Wer sich den neuen Herausforderungen nicht stellt und die Möglichkeiten nicht nutzt, fällt unweigerlich zurück. Liegt die Lösung daher nicht vielleicht in einer komplett entgegengesetzten Betrachtungsweise? Denn Digitalisierung benötigt nicht nur Ressourcen, sondern schafft gleichzeitig auch neue.

Es ist höchste Zeit für Finance Transformation

Betrachtet man Controlling-Abteilungen unterschiedlicher Unternehmensgrößen und Branchen, zeigt sich, dass gut ausgebildete Mitarbeiter:innen wertvolle Arbeitszeit durch Überprüfen der Datenqualität, Vornehmen von Korrekturbuchungen und Sammeln von Daten zur Erstellung von Reportings verlieren. Eine Automatisierung ermöglicht es, die Effizienz zu steigern und Ressourcen für neue wertschöpfende Tätigkeiten freizusetzen. So bleibt mehr Zeit für die Verbesserung des Forecasting sowie die Erarbeitung von Szenarien und Simulationen. Der Wandel vom rückwärtsgewandten Zahlen-Verwalter zum Business Partner, der steuerungsrelevante Informationen liefert, wird ermöglicht. Voraussetzung für eine Automatisierung sind gute Prozesse, funktionierende IT-Systeme und korrekte Stammdaten. Sind diese drei Faktoren gegeben, erhöhen sie die Reaktionsgeschwindigkeit bei Sonderanalysen und Anfragen.

In der Praxis sieht es jedoch häufig anders aus. Um einen Einstieg in die Digitalisierung überhaupt erst zu ermöglichen, müssen die Qualität der IT-Systeme und die vorgelagerten Prozesse bei knappen Ressourcen verbessert werden. Viele Unternehmen stellen sich somit nicht zu Unrecht die Frage, ob es sinnvoll ist, ausgerechnet jetzt mit Automatisierungsprojekten zu beginnen. Die hohen Kosten der notwendigen IT-Projekte wirken abschreckend. Die hohe Komplexität der zu lösenden Aufgaben birgt, bei knappen Ressourcen, ein wachsendes Fehlerpotenzial. Die Hürden zur Transformation des Finanzbereichs sind hoch und die gesammelten Erfahrungen innerhalb der Unternehmen oft gering. Eine Vielzahl erfolgreicher Beispiele zeigt jedoch:

Finance Transformation ist umsetzbar und das nötige Wissen und die Erfahrungen existieren.

Wie Sie trotz der Einflüsse von Unsicherheit, Wandel und Krisen Ihre Finance Transformation erfolgreich durchführen, zeigen Ihnen die Experten auf unserer Fachtagung Finance am 2. Juni in Köln.

An nur einem Tag erfahren Sie in den Praxisvorträgen namhafter Referenten:

  • Wie Sie die Qualität der IT-Systeme und Prozesse verbessern können, z.B. durch eine gezielte ERP-Umstellung.
  • Wie Sie die neuen gesetzlichen Anforderungen zu IKS (Internes Kontrollsystem), GRC (Ganzheitliche und digitale Governance, Risk & Compliance) und CRSD-Reporting (Corporate Sustainability Reporting Directive) sinnvoll digitalisieren und integrieren können.
  • Wie Sie die immer strengeren steuerlichen Anforderungen zu Transferpreisen rechtssicher managen.
  • Wie Sie die Schwerpunkte richtig setzen z.B. bei der Konzernergebnisrechnung oder digitalen Geschäftsmodellen.

Autor: Guido Kleinhietpaß, Partner und Trainer der CA controller akademie

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