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Stille Lasten – was taugt die Kennzahl Eigenkapitalquote?

06.06.2019 von CA Redaktion | Accounting & Finance
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Lange Zeit stand eine hohe Eigenkapitalquote als Synonym für die gute finanzielle Stabilität eines Unternehmens – sowohl in der internen Berichterstattung als auch in der Kommunikation nach draußen, z.B. in Richtung Banken oder Kapitalmarkt. Doch Vorsicht! Nicht in jedem Fall ist eine hohe Eigenkapitalquote per se positiv. Aus bilanzieller Sicht ist in jedem Fall zu prüfen, ob dem Eigenkapital auch entsprechend werthaltige Assets auf der Aktivseite gegenüber stehen.

Bei nach IFRS bilanzierenden Unternehmen ist hier vor allem der Goodwill (Geschäfts- oder Firmenwert) kritisch zu sehen. Er entsteht im Zuge von Firmenübernahmen als Differenz von Kaufpreis und Netto-Substanzwert auf der Aktivseite des erwerbenden Unternehmens und repräsentiert im Prinzip die „Hoffnung“ auf zukünftige Erträge in Form von Synergien o.ä.. Eine Besonderheit der IFRS gegenüber dem HGB ist, dass er nicht planmäßig abgeschrieben, sondern nur regelmäßig auf Werthaltigkeit geprüft wird – vom Unternehmen selbst. Das eröffnet Ermessensspielräume und bevorzugt Unternehmen, die durch Zukäufe wachsen, bilanztechnisch gegenüber organisch wachsenden Firmen.

Ein aktuelle Studie der Wirtschaftswoche (Heft 16/2019 – Premium) und der Universität St. Gallen beleuchtet die Situation bei den DAX30-Unternehmen:

  • Bei sieben DAX-Konzernen (Bayer, Deutsche Post, Fresenius, Fresenius Medical Care, Merck, SAP und ThyssenKrupp) beträgt der Goodwill 80% und mehr des Eigenkapitals. Dies hat zwei Auswirkungen: Zum einen werden über längere Zeiträume die Ergebniskennzahlen (z.B. EBIT) nicht wie bei z.B. Sachinvestitionen um planmäßige Abschreibungen vermindert. Zum anderen drohen etwa im Zuge einer Rezession Abwertungen des Goodwills („Impairment“). Große Teile des Eigenkapitals wären verloren und damit die finanzielle Stabilität des Unternehmens gefährdet.
  • Bei nur sechs DAX-Unternehmen (BMW, Beiersdorf, Covestro, Daimler, Deutsche Bank und Lufthansa) liegt der Goodwill unter 10% des Eigenkapitals.
  • Die oben beschriebene „Impairment-only“-Regelung der IFRS führte zu einer Gesamtsumme von 277 Mrd. Euro (!) Goodwill in den Bilanzen der DAX-Unternehmen.

Dipl.-Kfm. Gerhard Radinger, Partner und Trainer bei der CA Akademie AG und u.a. zuständig für die Themenwelt Accounting & Finance empfiehlt daher: Die Goodwill-Bilanzierung ist nur eine von vielen „Fußangeln“ in der Analyse von Jahresabschlüssen. Vermeiden Sie Fehler und erfahren Sie, worauf man wirklich achten muss.

 

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